Osterode am Harz

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Love Letters

Fr, 06.12.2019, 20:00 Uhr
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Ein außergewöhnlicher Theaterabend, mit Lou Hoffner und Hansi Kraus.

 

Eine breite Palette an Emotionen, eine dramatische Handlung und eine – quasi – platonische, unerfüllte Liebe ausschließlich in der Form von Briefen. Eine gelungene Inszenierung.

Es beginnt alles so alltäglich und wie von tausend anderen Teenagern auch erlebt – mit einer Geburtstagseinladung. In diesem Fall von Melissa Gardner an ihren Mitschüler Andrew Makepeace. Dass sich daraus über einen langen Zeitraum eine große Liebe, hauptsächlich gespeist von Briefen und Postkarten entwickeln würde, konnte keiner der beiden Protagonisten vorausahnen.

Das Theaterstück „Love Letters“, das im Kursaal Bad Mergentheim aufgeführt wurde, ist im Amerika der Spätdreißiger Jahre angesiedelt. Verfasst wurde es vom amerikanischen Dramatiker Albert Ramsdell Gurney und 1988 uraufgeführt. Sowohl die Unterhalterin, Sängerin und Schauspielerin Lou Hoffner, als auch der aus zahlreichen „Lausbuben-Filmen“ und Theaterstücken bekannte Schauspieler Hansi Kraus zeichnen mit viel Gefühl und großer Sensibilität die Entwicklung zweier Persönlichkeiten, die vom amerikanischen Dramatiker Albert Ramsdell Gurney geschaffen wurden. In seinem 1988 uraufgeführten Werk gelingt es Gurney seine Zuhörer mit großer Leidenschaft und wachem Auge hinter die Fassade von Establisment und gesellschaftlichen Zeitgeist blicken zu lassen. Die Geschichte selbst startet im 1937 an der Ostküste Amerikas und skizziert die Beziehung vom eher ruhigen Andrew und der wohlhabenden, extrovertierten Melissa, die im Schulalltag ihren Anfang nimmt.

Jeder geht, immer begleitet von den Briefen des anderen, seinen eigenen Weg. Melissa driftet als Künstlerin ab in die dunkle Welt des Exzessiven, dem Alkohol verfallen und stets das Abenteuer suchend. Andrew gelingt mit Fleiß und Ehrgeiz der Aufstieg an die Spitze der Gesellschaft und landet darüber hinaus als Senator einen politischen Coup. Was beide nicht davon abhält, ihre jeweils erlebten Höhen und Tiefen, voll trivialer Begebenheiten und substanzieller Auseinandersetzungen, dem anderen – mal melancholisch, mal fröhlich aber auch zweiflerisch – mittels Briefen und Postkarten nahezubringen.

Im Laufe ihrer Beziehung wird Melissa des Schreibens überdrüssig und fordert von Andy mehr körperliche Zweisamkeit. Obwohl emotional durchaus bereit, scheut Andy das Risiko, sein von Karrierestreben geprägtes Leben gegen ein dauerhaft ungewisses und turbulentes mit Melissa einzutauschen. So bleibt es letztlich bei einer Freundschaft, die sich nicht erlaubt, die Liebe zu leben und deshalb für immer unerfüllt bleibt. Die lebenslange, schwer greifbare Beziehung der Beiden findet mit dem tragischen Tod Melissas einen emotionalen Höhepunkt. Dieser erscheint umso dramatischer durch die eigennützige Umwelt der Protagonistin und die sichtbaren Qualen, die Andy erleidet. Es ist außerdem der Schlusspunkt der äußerst gelungenen Inszenierung.

Rubrik
Stadthalle
Theater / Tanz

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